Archiv der Kategorie: Urlaub

Spaziergang am Lake Tartu

Lake Tartu

Tartu geizt nicht gerade mit schönen Wasserflächen: Neben dem Emajögi gibt es auch den weltbekannten Lake Tartu, zu sehen auf dem Foto. Keck ragen drei Findlinge aus der Wassermasse hervor, im Vordergrund sind noch die Schilfstummel vom letzten Sommer zu sehen. Lake Tartu, Findlinge, Schilfstummel? Hmm…na ok ich gebs zu! In echt fällt der „See“ etwas kleiner aus, als man es vom Bild vermuten würde. Nämlich genau so:

Lake Tartu 2

Es handelt sich beim Lake Tartu in Wahrheit nur um eine 1×2 Meter große Pfütze auf einem Feldweg nahe der Stadt. Die drei „Findlinge“ sind dann doch sehr handlich, die „Schilfstummel“ bestehen aus schnödem Gras. Beim ersten Foto war die Kamera fast auf der Höhe des matschigen Bodens, der gleiche Effekt wird übrigens auch angewandt um Hotelpools in Reiseprospekten größer erscheinen zu lassen. Also Augen auf, wenn euch jemand ein X für ein U…äh eine Pfütze für einen See vormacht!

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Mit der Einwegkamera durch Riga

Riga mit der Einwegkamera 1

Auf dem Rückweg von Kaunas nach Tartu hatte ich etwa sechs Stunden Aufenthalt in Riga (Lettland). Zeit genug also für eine ausgiebige Stadtbesichtigung, aber leider ohne meine Fotokamera, die zuhause lag. Und ohne die, so musste ich schnell feststellen macht richtiges Touri-Sightseeing natürlich gar keinen Spaß. Vor allem, wenn um einen herum alle wild am knipsen sind, als würde Riga morgen komplett verschwinden und als Fotomotiv nicht mehr zur Verfügung stehen. Was also tun?

Spontan entschloss ich mich nach einer Einwegkamera Ausschau zu halten. Früher gabs die günstigen Knipsen doch an jeder Ecke — 30 Minuten später hatte ich zwei Fotogeschäfte, drei Kioske, eine russische Buchhandlung und die Touristeninformation abgeklappert. Digitalkameras kriegt man überall, die alten Einwegkameras sind hingegen beinahe sang- und klanglos verschwunden. Alle verknipst? Beinahe! Denn in einem schmalen Seitengang des Bahnhofs entdeckte ich doch noch einen kleinen Laden, der sogar zwei Modelle zur Wahl stellte. Ich entschied mich für das Modell im Tragebeutel mit dem trendigen Namen Kodak Fun Flash und legte 6 Lat und 50 Santimi auf die Theke.

Auspacken, aufziehen und los gehts! Das besondere an Einwegkameras ist ja ihre Eigenschaft, jedem Bild einen leichten Retrocharme zu verpassen. Die chronische Unschärfe, die nur teilweise wirklichkeitsgetreue Farbwiedergabe und die Verzerrungen der Plastiklinse lassen die Fotos wie aus einer anderen Zeit erscheinen. Ich habe die folgenden Aufnahmen daher nicht bearbeitet, sondern einfach nur auf das passende Format gebracht. Hier ist mein Best of Riga:

Riga mit der Einwegkamera 5

Auf dem Weg vom Bahnhof (Foto ganz oben) in die Altstadt habe ich natürlich schon mal gleich alles geknipst was mir vor die Linse kam: Links fescher Jugendstil, rechts formvollendeter Plattenbau…oder umgekehrt…

Riga mit der Einwegkamera 3

Ah, hier hatte ich meinen Finger auf der Linse. Sowas merkt man bei einer Einwegkamera natürlich erst wenn man den Film vom Entwickeln abholt. Aber ich kann ja auch beschreiben was die Frau oben auf dem Freiheitsdenkmal in ihren kupfernen Händen hält: Drei gestapelte Sterne. Diese stehen für die drei historischen Regionen Lettlands (Zemgale, Vidzeme und Latgale). Während der Sovietzeit musste das natürlich anders ausgelegt werden. Die Sterne standen damals offiziell für die drei baltischen Sovietrepubliken (Estland, Lettland, Litauen). Die ganzen Leute vor dem Denkmal schauen sich gerade eine Militärparade zum Tag der lettischen Freiheitskämpfer an.

Riga mit der Einwegkamera 2

Wenn man hinten steht, sieht man genauso wenig wie vorne. Die Blaskapelle hat immer denselben 30-Sekunden-Ausschnitt aus einem Marsch gespielt, dazwischen hat ein Mann im Anzug irgendwas auf lettisch über Lautsprecher erzählt. Die Soldaten standen einfach nur da. Dafür war der Platz mit lauter Geheimdienstleuten (Erkennungszeichen: Knopf im Ohr) und Scharfschützen auf den Dächern abgesichert. Ist aber nichts passiert (auch inhaltlich jetzt).

Riga Altstadt

Auch in der Altstadt hingen überall lettische Fahnen. Die Letten sind ähnlich wie die Esten sehr patriotisch, vermutlich also garnicht mal so ein ungewohntes Bild in Riga. Eigentlich glaube ich mich zu erinnern, dass da von der Flagge oben noch ein Stück mehr drauf war als ich auf den Auslöser gedrückt habe. Muss wohl irgendwo im Plastikgehäuse der Fun Flash verloren gegangen sein – oder das estnische Fotolabor hat sich da ein Stück von abgeschnitten… (wer weiß)

Riga Bahnhof Einwegkamera

Am Nachmittag habe ich mich wegen des schönen Wetters spontan entschlossen zum Strand von Riga (in Fachkreisen Latvia Beach) zu fahren. Mit einem Vorortzug fährt man etwa 20 Minuten aus der Stadt raus und bekommt zum günstigen Preis auch noch eine schöne Bahnfahrt geboten. Fahrkarten gibts an einem bestimmten Schalter, die Frauen in der Touristeninformation wissen schon wenn man reinkommt dass man den gerade verzweifelt sucht…

Riga mit der Einwegkamera 4

Auf diesem Foto kommt der besagte Retrocharme der Einwegkamera wieder besonder gut raus. Man beachte den Himmel, die verwaschenen Markthallen im Hintergrund und den belebten Busbahnhof im Vordergrund. Ich bin übrigens nach Majori gefahren, einem kleinen Badeort der direkt an der Ostsee liegt.

Strand von Riga

Hier der Beweis: Ich war wirklich am Strand von Riga! (Ok, das könnte jetzt natürlich auch irgendwo ganz anders gewesen sein. Die Ostsee sieht sich halt überall so verdammt ähnlich. Mit dem Foto könnte ich also nächstes Jahr auch behaupten, dass ich auf Usedom gewesen bin – würden mir warscheinlich auch alle glauben…*hohoho*) Spaß beiseite, ich war natürlich wirklich da. Echte Latvia Beach-Experten erkennen dies selbstverständlich ohne weiteres an Lichteinfall, Sandfärbung und Schrittweite der beiden Herren im Hintergrund.

Zug fahren um Riga

Mit dem Zug gings auch wieder zurück. Der Typ der da so böse aus der Tür guckt ist der Lokführer. Der will vermutlich mehr Lohn oder nicht von mir fotografiert werden oder wundert sich über meine komische Einwegkamera – oder alles drei. Bevor mir hier noch der letzte Zug vor der Nase wegfährt, steige ich mal lieber schnell ein und sage: Tschüß Riga!

Das Whirlpool-Prinzip

Das Whirlpool-Prinzip (Foto: Aura Keskus Tartu)

Der Mensch ist ja von angeborenen Verhaltensregeln geprägt, welche sich in der Öffentlichkeit besonders deutlich zeigen. Einer der klassischen Orte ist hierfür das Schwimmbad, das einen idealen Tummelplatz für die verschiedensten Macht- und Balzrituale bietet. Verschärfend wirkt eine nahezu immer vorherrschende Knappheit von Ressourcen (Sonnenliegen, Whirlpoolplätze). Auch im Aura Keskus hier in Tartu ist das nicht anders. Gestern war ich dort und habe einige interessante Beobachtungen gemacht, welche sich am besten unter dem Begriff „Whirlpool-Prinzip“ zusammenfassen lassen:

Zwei unterschiedliche Parteien, die Draußensteher und die Drinnensitzer, stehen sich hierbei unversöhnlich gegenüber. Die Draußensteher beneiden die Drinnensitzer um ihren Platz im Whirlpool. „Wieso müssen die da eigentlich so lange da drin sitzen? Müssen die sich so breit machen?“, sind häufige – zumeist leise geäußerte – Vorwürfe. Maulend liegen die Draußensteher auf der Lauer und warten grimmig darauf, dass die Drinnensitzer eine Schwäche zeigen und eine kurze Pause von ihrer Blubbermassage machen. Schon ist der Augenblick gekommen! Die Draußensitzer belegen blitzartig die frei gewordenen Plätze und werden so zu Drinnensitzern.

Mit der neuen Whirlpool-Ordnung verwandelt sich auch unverzüglich ihr Verhalten: Die neuen Drinnensitzer machen sich breit, legen ihre Arme breit auf den Rand des Pools und strecken ihre Beine genüßlich aus um möglichst viel Platz für sich zu beanspruchen. Sie kosten ihre Macht vollends aus, denn sie wissen um ihre Vergänglichkeit: Früher oder später kriegen im Whirlpool alle schrumplige Finger und müssen wieder raus.

(Foto: Aura Keskus in Tartu, Estonia | www.aurakeskus.ee)

In der Altstadt von Vilnius

„Die ganze Altstadtgeschichte lasse ich mal fuer meinen bloggenden Bruder uebrig, der will ja auch noch was ueber Vilnius schreiben. Weiss nicht wann er das schafft, zur Zeit spielt er Praesident Nixon in einer Simulation seiner Uni und will Kissinger verknacken. (bestimmt sehr zeitaufwaendig)“ schreibt Sammy in seinem Blog.

Nachdem ich schon so toll angekündigt wurde, will ich mich jetzt natürlich nicht lumpen lassen – und berichte aus erster Hand über unser Sightseeing in der berühmten Altstadt von Vilnius. Das einzige was noch fehlt, sind Fotos…ah da ist ja auch schon das erste:

Altstadt von Vilnius in Litauen

Wie man sieht ist sie (die Altstadt) nicht nur sehr alt, sondern auch sehr gepflegt. Die Häuser frisch herausgeputzt, die Straßenplatten neu gelegt. Nicht täuschen lassen sollte man sich von der vermeintlichen Größe: Die Altstadt ist klein und man kann ohne große Probleme alle Sehenswürdigkeiten an einem Tag besuchen. Das sieht im übrigen auch der sonst nützliche Lonely Planet so: Für den zweiten Tag fällt ihm nur noch das Museum der Genozidopfer ein, dem ein „Bummel“ durch die „Künstlerkolonie Uzupis“ folgen kann, ehe es zum (unalkoholischen) Aperitif einen Panoramablick auf Vilnius gibt:

Panoramablick auf Vilnius

Die Befestigungsanlagen der Stadt schützten im 14. und 15. Jahrhundert vor den Angriffen der Ritter des Deutschen Ordens und später auch vor den Tartaren (mit Vorreiter Dschinghis Khan), die mit den Einwohnern sonst sicher kurzen Prozess gemacht hätten. Ende des 16. Jahrhunderts zählte Vilnius zu den größten Städten Osteuropas, Handel und Handwerk brachten die Stadt zum erblühen.

Wie schon gesagt ist die putzige Altstadt an einem halben Nachmittag erkundet und so kamen wir gerade zum dritten Mal an einem großen aufgepusteten Zelt vorbei, in welchem Leute auf Liegestühlen relaxten. Unschlüssig standen wir kurz darauf vor dem Eingang, als uns ein junger Mann zu winkte. „Kommt doch herein“, rief er uns auf Litauisch zu. Vorsichtig rückten wir näher und fanden uns alsbald im Inneren des Kuppelzeltes wieder. Ehe wir es uns versahen, hatten wir auch schon gratis Pappbrillen in der Hand und wurden zu bereit stehenden Liegestühlen dirigiert. Hier konnte man auf Kunstrasen relaxen, sich Blumenkübel anschauen und dazu einer Art Chillout-Mucke lauschen. Der Knüller! Die Sonnenbrillen lockerten zudem unsere Lachmuskeln, selten haben wir soo dämlich ausgesehen:

Blogger in Vilnius

Es handelte sich bei der ganzen Aktion übrigens um ein Kunstprojekt namens „Lux“, wie wir einem Flyer entnehmen konnten. Bruder Sammy hat den gelben Nasenhöcker übrigens auch auf gehabt und sich damit ganz vorzüglich entspannt:

Sammy chillt im Kuppelzelt

Besuch in Kaunas (Litauen)

Kaunas 2

Was verschlägt mich in diesen winterlich-trüben Tagen ausgerechnet in die Industriestadt Kaunas in Litauen? Ganz einfach: Ich bin der Einladung meines bloggenden Bruders (Spitzname: Bratpirat) gefolgt, ihn einfach mal an seinem Praktikumsplatz dort zu besuchen. Jetzt stehe ich also hier in der Dämmerung, ganze neun Stunden Fahrt von Tartu über Riga liegen hinter mir und warte auf meinen Bruder. Der Busbahnhof von Kaunas ist nicht sonderlich einladend, überall lungern grimmige kurzhaarige Typen in schwarzen Jacken herum, die auf irgendetwas zu warten scheinen – hoffentlich nicht auf mich! Aber da ist mein Bruder auch schon, winkend kommt er mir entgegen gelaufen.

„Lass uns zu Fuß zu meinem Wohnheim gehen“, schlägt er vor. „Sind nur ein paar Minuten von hier durch den Park“, fügt er grinsend hinzu. Der kleine Fußweg durch den Park entpuppt sich als ausgewachsene Wanderung durch alle möglichen Stadtteile und ich bin froh als wir endlich an einem grauen Plattenbau Halt machen, in dem sich das Wohnheim für internationale Gäste befindet.

Kirche in Kaunas

Am nächsten Morgen machen wir Sightseeing in Kaunas: Die Altstadt ist wirklich sehr schön, wenngleich an vielen Stellen der Lack schon etwas ab ist. Das kann man auf dem Foto übrigens auch ganz gut sehen. Bei den Herren die da so eilig vorbeigehen haben wir uns übrigens auch gefragt, was die wohl so beruflich machen…vielleicht Bestatter oder sowas?

Abgesehen davon hat die zweitgrößte Stadt Litauens bei mir einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen, auf der einen Seite ist sie durchaus schön, hat große Parks, viele Kirchen und viele junge Leute – auf der anderen Seite gibt es auch eine ganze Menge graue, trostlose und industriell-geprägte Ecken. In den Satellitenvorstädten lacht einen bautechnisch noch immer der Kommunismus an.

Kaunas 3

Auf zum nächsten Bild: Im Vordergrund sehen wir eine breite sozialistische Prachtstraße, rechts daneben einen kleinen Park der direkt runter zum Fluß führt. Die große Bauruine links sollte wohl mal ein Geschäftszentrum oder ein Firmensitz werden, rottet nun aber als Rohbau langsam vor sich hin. Rechts dagegen ein erfolgreiches Beispiel: Das AKROPOLIS (benannt nach dem griechischen Tempelberg) ist die größte Shoppingmall die ich je gesehen habe. Mit mehreren Etagen und Seitenarmen fängt sie kauflustige Litauer ein und spuckt sie erst wieder aus, wenn das Geld alle ist.

Das Schild von MAXIMA mit drei Kreuzen kann man in der Mitte hinten auch noch sehen. Hier macht man wirklich drei Kreuze, wenn man endlich durch die Kasse durch ist. Ich konnte es vorher nicht glauben, als mein Bruder mir davon erzählt hat aber es stimmt: Die Kassiererinnen in Litauen scannen die Artikel so langsam, da kann man sich in Ruhe noch was zu lesen mitnehmen während man ansteht. Wir waren im Supermarkt, vier Leute mit halbvollen Tragekörben vor uns und haben (kein Witz!) über zehn Minuten gewartet. Weitere Versuche belegen die Wartedauer empirisch. Im großen Maxima mit den vielen Kreuzen haben sie jetzt sogar Flachbildschirme an die Kassen gehängt, da kann man wenigstens noch Kinospots und Werbung schauen während man wartet.

Anglerparade in Kaunas (Litauen)

Geduld spielt ja auch beim Angeln eine große Rolle. Diese Anglerparade konnten wir an der Memel beim Rute auswerfen beobachten. Der Fluß zählt zu den verschmutztesten in ganz Europa, was die Kaunaser..äh..Kaunesier..Kaunassen (?) aber nicht davon abhält hier ihr Glück zu versuchen. Zwischendurch hat sogar mal jemand was gefangen, es leben also noch Fische hier. Eh wir den Gesundheitszustand des schwimmenden Abendbrots prüfen konnten, mussten wir auch schon weiter – der Bratpirat hatte nämlich noch eine wichtige Mission mit mariniertem Schnitzel an der Pfanne zu absolvieren. Brat Brat Ole!

Und in Folge 2: Wir zeigen euch wo und was die Spatzen in Vilnius von den Dächern pfeifen, wie sich junge Deutsche mit peinlichen Gratisbrillen zum Volldepp machen und welchen Vodka man in Litauen unbedingt mal probiert haben sollte.

Sex auf Brücke mitten in Tartu

Sex auf Brücke in Tartu Estland

Da lebt man schon in Tartu, geht jeden Tag über die Brücke die das Wohnheim mit der Innenstadt und der Universität verbindet und erfährt dann trotzdem erst aus der Bild-Zeitung, dass ein Pärchen am hellichten Tag Sex auf dem Brückenbogen eben dieser Brücke gehabt hat. Aus blogjournalistischer Sicht schon irgendwie bedenklich oder?

Zitat BILD: „Höhepunkt in 45 Meter Höhe – und unten rauschte der Fluss.“ – wobei man an dieser Stelle schon darauf hinweisen muss, dass es sich bei dem Emajögi um keinen rauschenden Gebirgsbach handelt, sondern eher um ein träge fließendes Gewässer alá Elbe oder Spree, das Rauschen sich also arg in Grenzen hält.

Aber natürlich freut sich das Boulevard-Blatt über die Sexfotos die wohl aus einem Video stammen, dass findige Esten auf einer niederländischen Seite hochgeladen haben und bemerkt spitz: „Zwei Getränke in greibarer Nahe – und schon gibt die Dame alles.“

Die Story von Bild gibt es hier. Mehr Fotos gibts auf dieser lettischen Seite und hier.
Sex on Bridge Tartu in Estonia

Hier nochmal ein Überblick über die Szenerie mit dem Fluß Emajögi, dem begehbaren Brückenbogen, herbstlichem Wald und im Hintergrund dem Wohnheim in der Narva Mnt. 25 – oh, und natürlich dem Pärchen in der Mitte. Einige Kenner glauben übrigens auf dem ersten Foto neben der Cola-Flasche einen Vana Tallinn (bekannter Kräuterlikör aus Estland) erkannt zu haben.

Ansonsten sind die Informationen eher spärlich gestreut: Datum und Uhrzeit fehlen ebenso wie Hinweise auf die niederländische Seite, auf der das komplette Video veröffentlicht wurde. Das Video könnte also gut auch schon ein paar Jahre alt sein, da bisher auch noch keine estnischen Zeitungen über das Thema berichtet haben.

English (short version, mal ausnahmsweise): A couple had sex on a bridge in right in the center of Tartu in Estonia. They were filmed and some German yellow press newspaper published pictures of them caught in the act. Are these young people Estonians? And is this video really and actual one – because Estonian newspaper didn’t mentioned the case until now..

(Ausrisse von mir, Fotos: tribine.lv, funtasticus.com)

 

St. Petersburg bei Nacht

St. Petersburg bei Nacht

Hier nun wie versprochen der zweite Teil meines St. Petersburg-Artikels, den ich unter dem klangvollen Titel Das heiße Nachtleben von St. Petersburg – Weiber, Wodka, Walachei angekündigt hatte. Den ersten Teil findet ihr hier.

Wie bei Gruppenreisen üblich machen die Veranstalter vorab Vorschläge für das Abendprogramm. In unserem Fall war das die einmalige Gelegenheit („this happens to you once in a lifetime“) einen russischen Folklore-Abend zu besuchen. Der hohe Eintrittspreis von umgerechnet 25 Euro und der mutmaßlich noch höhere Touri-Faktor dieses Events schreckte uns jedoch ab. Es kam zu einer Spaltung der Gruppe: Während die einen sich für 4,50 Euro ein Ballett anschauten („war echt dillettantisch“), gingen andere in ein klassisches Konzert („war ziemlich gut“). Julia, eine Österreicherin, und ich entschieden uns für die dritte Variante und zogen mit unseren Kameras bewaffnet durch das abendliche St. Petersburg. Miriam, bloggende Niederländerin, schloß sich uns – ohne Kamera – an.

St. Petersburg bei Nacht 2

St. Petersburg ist bei Nacht ja ein ganz besonderes Spektakel. Die Leute gehen spät aus um zu essen oder zu feiern und so ist auch um 11 oder 12 Uhr noch richtig viel auf den Straßen los. Der Mittelpunkt unserer kleinen Fotoexkursion bildete der Nevskij-Prospekt, die größte Einkaufs- und Feiermeile der Stadt. Wenn man nach einem deutschen Vergleich sucht, würde man vielleicht den Kurfüstendamm in Berlin anführen, aber das trifft es nicht ganz. Der Prospekt erstreckt sich über mehrere Kilometer schnurgerade durch die Stadt und lud mit seinen vielen Lichtern zu tollen Langzeitbelichtungen ein. Für manche Fotos haben wir eine Belichtungszeit von zehn Sekunden gewählt, um das beste aus der Szenerie herauszuholen. Miriam hat sich glaube ich ziemlich gelangweilt, vor allem da wir wie für Fotografen üblich, von jedem Motiv fünf oder sechs Aufnahmen gemacht haben. Wir hatten sie aber vorgewarnt, dass wir unsere Zeit brauchen würden.

St. Petersburg bei Nacht 3

Abendessen waren wir dann in einem einfachen Restaurant in einer kleinen Seitenstraße. Die russischen Bedienungen verstanden wie üblich kein Englisch. Zum Glück lagen die Speisen in einer Buffetvitrine aus, so dass ich einfach auf Fleisch, Reis und gefüllte Paprika zeigen konnte. Es war auch echt lecker!

St. Petersburg bei Nacht 4

Später sind wir dann zum Treffpunkt zurückgegangen. Es war nur noch der Bus der anderen Gruppe da, der zum weiter entfernt liegenden Hotel fahren sollte. Ich bin dann also zu Fuß durch die nächtliche Stadt zurückgelaufen. Vorab hatten einige ja Horrorgeschichten erzählt, von wegen dass man in St. Petersburg gleich ausgeraubt wird, besser keine U-Bahn fahren sollte etc. Letzlich war es aber überhaupt kein Problem, habe mich nicht besonders unsicher gefühlt. Klar sollte man ein bisschen aufpassen, aber das muss man in jeder Großstadt. Keinem von der Reisegruppe ist im übrigen irgendwas gestohlen worden.

St. Petersburg bei Nacht 5

Fehlen eigentlich nur noch die versprochenen drei W’s:

Weiber: Gab es für einige meiner Mitbewohner (Namen der Redaktion bekannt) in der Tittenbar Golden Dolls auf dem Nevskij-Prospekt. Für 500 Rubel Eintritt gabs ihrer Aussage zufolge jede Menge nackte Haut und erotische Tanzeinlagen. Privatstrip oder das gemeinsame Duschen mit einer der Tänzerinnen kostete aber extra.

Wodka: Gabs für mich und ein paar andere in einer sehr gemütlichen Sushi-Bar in der Innenstadt. Wodka wurde in 50ml Shot-Gläsern á 2,10 Euro serviert, ich habe Russian Standard Premium und Russian Standard Standard probiert. Der Premium konnte mit ein wenig ausgefeilteren Geschmacksaromen überzeugen, ging ansonsten aber anspruchslos durch die Kehle. Der Abend war sehr unterhaltsam und wir kamen erst spät ins Hotel zurück.

Walachei: Liegt ja, wie eine Mitreisende schon richtig angemerkt hat, eigentlich in Rumänien. Zugleich bezeichnet man damit aber auch eine sehr abgelegene Region. In so eine war mein Zimmergenosse auf seiner ganz eigenen Exkursion zu einer deutschen Kneipe namens Bierkönig nämlich geraten. Kurz nach zwei Uhr nachts werden in St. Petersburg nämlich die Brücken über die Newa hochgeklappt, damit die Lastschiffe durchfahren können. Er war auf der anderen Seite gefangen und musste sich durch „nicht so tolle Stadtteile“ auf die Suche nach einem Taxi machen. Ist aber mit dem Schrecken davongekommen.