Archiv der Kategorie: Party

Willkommen im Saufpark

Saufpark in Tartu

Auf dem Bild seht ihr den einzigen Ort in Tartu und meines Wissens sogar in ganz Estland, in welchem in der Öffentlichkeit Alkohol getrunken werden darf. Das ist sonst nämlich strikt verboten. Der ‚Saufpark‘ befindet sich vor dem Püssirohukelder (Pulverkeller) direkt an der Kreuzung Lossistraße/Ülikoolistraße. Und das Angebot wird rege genutzt: Egal ob es draußen warm oder kalt ist, immer sitzen Leute mit Bierflaschen auf der Wiese oder den Bänken und unterhalten sich. Für viele Esten ist es auch eine günstige Alternative zu ständigen Pub- und Cafébesuchen. Austauschstudenten trifft man hier dann auch eher selten, ist ja auch eher aufwendig sich ein Bier im Supermarkt zu kaufen und über den Fluß zurück in die Altstadt (wo der Saufpark liegt) zu laufen, um es dort zu trinken. Die meisten ziehen ein warmes Sofa in einer der Café-Bars vor, was bei der derzeitigen Außentemperatur von etwa 5° Celsius auch überaus verständlich ist.

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Fackelmarsch und Feuerwerk: 375 Jahre Uni Tartu

Fackelmarsch der Universität Tartu

Letzte Woche hat die Universität Tartu (estnisch: Tartu Ülikool) ihr 375-jähriges Bestehen ausführlich mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gefeiert. Extra für das Jubiläum wurde ein neuer aufwendiger Werbefilm produziert, der die Universität im besten Licht dastehen lässt und den wir alle im Estnischunterricht vorgeführt bekamen. Das Highlight war für die meisten aber sicher der Fackelmarsch vom Hauptgebäude der Universität zur Domruine auf dem Toome Hill am Donnerstagabend.

Fackelmarsch der Universität Tartu 2

Zuerst hatten wir schon einige Bedenken: Darf man als Deutscher – unter Rücksicht auf die Symbolik solcher Veranstaltungen in der Hitlerzeit – an Fackelmärschen teilnehmen? Wir kamen zu dem Ergebnis dass das sehr wohl geht, wobei es sicher einen großen Unterschied macht ob man solche nationalistisch-vorgeprägten Aktionen in Deutschland durchführt oder in Estland mit Fackel und Fahne zu Ehren des Universitätsgeburtstages unterwegs ist. Es waren auch viele Esten ohne Trachtenuniform unterwegs, was es uns leichter machte unerkannt in der großen Masse mitzulaufen. Die Stimmung war insgesamt überraschend angenehm, mehr wie ein Laternenumzug bei uns.

Feuerkunstwerk - noch weiß man nicht was daraus wird

Die Organisatoren haben sich einiges einfallen lassen, so wurde im Park vor dem Pulverkeller ein großes verhülltes Kunstwerk in Brand gesteckt. Auf dem ersten Foto kann man noch nicht sehen, wohin das führen wird…

Heiße 375 Jahre

Auf dem zweiten dafür umso besser: Eine brennende 375 – passend zu den 375 Jahren, welche die vom schwedischen König Gustav Adolf II. ins Leben gerufene Universität mittlerweile auf dem Buckel hat. Die Gründung 1632 kann übrigens nicht nur als reine Wohltat (wie Film und Uni-PR suggerieren), sondern auch unter dem Fokus schwedischer Kolonialpolitik gesehen werden. Nichts desto trotz sind die Esten sehr stolz auf die Universität in Tartu, die nicht zuletzt als geistiges Zentrum des Landes gesehen wird.

Bühnenshow zum 375-jährigen Jubiläum der Universität Tartu

Vor den Ruinen der Toomkirik (Domkirche) folgte dann eine ziemlich bombastische Bühnenshow, die neben männlichen Tänzern in Rollkragenpullovern und weiblichen Tänzerinnen in Regenmänteln auch eine große Anzahl an Fackel- und Fahnenträgern, sowie einen Darsteller in der Rolle Gustav Adolphs II. erforderte. Besondere Beachtung verdient das küssende Pärchen mit Regenschirm in der Bühnenmitte – es handelt sich um eine exakte Rekonstruktion der bekannten Brunnenstatue auf dem Rathausplatz (siehe auch Headerbild in diesem Blog).

Feuerwerk in Tartu / Estland

Den Abschluß bildete ein brillantes Großfeuerwerk, bei welchem der geschätzte jährliche Werbeetat einer mittelgroßen deutschen Universität innerhalb weniger Minuten in die Luft geblasen wurde. Es war einfach der Wahnsinn (siehe Bild)! Man kann ja vieles sagen, aber die Esten wissen einfach wie man so ein Jubiläum gebührend feiert. Auf die nächsten 375 Jahre, Terviseks Tartu Ülikool!

Nachtrag: Die ganzen Feierlichkeiten inklusive Stadtsanierung und dem Besuch der schwedischen Königin haben übrigens 40 Millionen Kronen (etwa 2,5 Millionen Euro)  gekostet. Die Stadt hat fast nichts dazu bezahlt.

 

Goodbye, Welcome Party!

Get to know other Students

Letzte Woche mal wieder auf einer Welcome Party gewesen. Diese werden ja ähnlich wie bei uns bis zur Mitte des Semesters gefeiert, bevor man zu so genannten Farewell Parties übergeht. Auf dieser Feier zeigte sich jedenfalls wieder der Trend zu Kennenlernspielen, der hier in Estland ungebrochen ist. Das Spiel an diesem Abend ging so: Gehe auf eine beliebige Person zu, halte deine rechte Hand hoch und lege sie auf die linke Hand des Gegenübers (vertauchen alá rechts auf rechts, links auf links geht nicht gut, hab ich ausprobiert). Dann stellt man genau fünf Fragen. Diese sind: Wie heißt du? Woher kommst du? Was studierst du? Was sind deine Hobbies? Wo möchtest du später mal leben?

Wie sich jeder vorstellen kann sind die Antworten auf solche Fragen ziemlich kurz und eher oberflächlicher Natur und so wechselt man spätestens nach anderthalb Minuten seinen Gesprächspartner. Speed-Get-to-know für Kontaktscheue? Habe natürlich gleich mal versucht das Schema zu durchbrechen und meine Gegenüber alles gefragt was mich gerade so interessiert hat. Diese Methode hat aber nur mäßig funktioniert. Die meisten fühlten sich doch ziemlich an die Spielregeln bzw. das starre Frageschema gebunden. Fortgeschrittene gingen bald dazu über die Fragen wegzulassen und gleich die eigenen vorbereiteten Antworten zu sagen. Nach etwa 20 Minuten hatte jeder mit jedem seine Basisdaten ausgetauscht, die des Gegenübers aber meist gleich wieder vergessen. Es folgte Schweigen und Ratlosigkeit in der Runde. Dann der Blick zur Theke: Kein Alkohol weit und breit. Gar kein Alkohol? Nicht mal Bier? Die Finnen und Niederländer nehmen ihre Jacken vom Haken: „We are moving to a pub now, getting cold beer and having some fun!“ Goodbye, Welcome Party!

(Das Foto habe ich übrigens wirklich auf der Party gemacht, mit Handykamera aus der freien Hand…)

Produkte die’s bei uns nicht gibt: Saku Zip

Saku Zip Alkopop

Estland ist ein Schlaraffenland für Freunde des gepflegten Umtrunkes. Es gibt nicht nur zwei sehr leckere Biermarken (Saku aus Tallinn und A le Coq aus Tartu), aromatisierter Cider nach englischem Vorbild und sehr vernünftigen Vodka, sondern auch die verschiedensten Arten an Alkopops. Die Flaschen sind hierbei an den Alkoholdurst der Esten angepasst: Saku Zip, eine Mischung aus Limonade und Gin, wird bevorzugt als 1,5 Literflasche verkauft. Das ist äußerst praktisch und natürlich viel umweltschonender als die kleinen 375ml Fläschchen die es bei uns gibt. 😉 Aber ist das auch wirklich lecker? Die Zitrone schmeckt man erwartungsgemäß mehr heraus als die Kaktusfrucht, ansonsten trinkt sich das grüne Gebräu runter wie Brause an einem warmen Sommertag. Den Gin schmeckt man zumindest nicht heraus. Saku Zip geht mit glatten 5 Prozent gut zu Kopf, das Trinken von weiteren alkoholischen Getränken erübrigt sich somit – es sei denn man ist auf einen Vollrausch aus…

Why Estonian Girls are so beautiful.

Why Estonian Girls…

Ich habe einen Hinweis auf ein Video bei Youtube bekommen welches wohl in einem der Wohnheime hier in der Nähe aufgenommen wurde. Ein estnischer Student (Name bekannt) erklärt dort einfach mal klipp und klar, warum die estnischen Mädels aus seiner Sicht so schön sind. Auf den ersten Blick vielleicht lustig, bei genauerem Nachdenken eher schockierend. Aber lest selbst mein Transkript:

Guy 2 (hat Kamera gerade erst angemacht): Now, say that again please.
Estonian Guy:
Well, the Germans, the Russians and the Sweds (Schweden) have fucked Estonian Girls so beautiful.
Guy 2: Yeah? The Estonian Girls are very beautiful because…
Estonian Guy: Because they have been fucked by the hundreds of years by Germans, Russians and Sweds.
Guy 3: Oh weird!
Guy 2: You are not kidding?
Estonian guy: I am not kidding!
Guy 2: You really think that?
Estonian Guy (leicht genervt): Yeah come on, thats the obvious truth man!
Guy 2: You really think that Russians…
Estonian Guy: Come on, take a look at the Finnish Girls.
Guy 2: Yeah, they are pretty ugly.
Estonian Guy: Yes, because the Russians have fucked them!
*Guys are laughing*
Guy 3 (verdreht die Augen): Oh weird!

Das Video gibt es hier (Aufnahme von Nov. 2006): http://www.youtube.com/watch?v=Ys16rZJJtj8

Strategisch Flirten im Püssirohukelder

 Püssirohukelder

Gestern war wieder eine Party im Pulverkeller (auf estnisch: Püssirohukelder) von Tartu. Am Eingang musste sich jeder für die Farbe seines Namensstickers entscheiden: Grün für Single, Gelb für Not sure oder Rot für Taken. Insbesondere die gelben Aufkleber sorgten für Diskussion – denn entweder man ist rot und vergeben oder ein grüner Single. Vermutlich haben sich aber auch viele vergebene Rote mit einem unsicheren Gelb ausgestattet.

Meine Mitbewohner hatten die Farbfrage hingegen schon vorab geklärt. Hier müsse man strategisch vorgehen: Wer als Mann mit grün auftrete, sei sowieso total notgeil und habe es vermutlich dringend nötig. Mit einem zurückhaltenden Gelb wirke man hingegen viel interessanter, zumal sich gleich ein Gesprächsthema aus dieser Farbwahl ergebe. In der Pub-Realität ließ sich dies durchaus nachvollziehen: Der rote Aufkleber bekam schnell einen „Sprich-mich-nicht-an“-Beigeschmack, was aber wohl auch daran lag, dass man den Namen des Gegenübers auf dem dunklen Farbton schlecht lesen konnte. Es steht zu vermuten dass Leute mit grünem oder gelbem Anhängsel mehr Leute kennengelernt haben – einen empirischen Beweis gibts dafür aber natürlich nicht.

Andere boykottierten das System einfach, indem sie sich für das Ampelmodell aus allen drei Farben entschieden – auch dies sicher keine schlechte Idee um dem allzu zwanghaften Massenflirten zu entgehen. Ach und für alle die sich jetzt fragen was ich für einen Sticker hatte: Gar keinen, ich war nämlich erst ziemlich spät gekommen, da gab es schon keine mehr. War aber ehrlich gesagt nicht so schlimm – ich kann mich mit netten Leuten unabhängig von ihrer Farbe unterhalten.

PS: Und bevor jetzt alle auf dem Foto nach farbigen Aufklebern (oder ihren Partnern) suchen, das Bild stammt von einem anderen Abend im Püssirohukelder.
PPS: Ok, ich gebs zu, die Überschrift ist ziemlich reißerisch gewählt. Hat aber offensichtlich funktioniert – sonst hättet ihr ja nicht bis hierhin gelesen… 😉

Shopping Raatuse-Style

Woran merkt man, dass die Erasmus-Studenten erst zwei Wochen in Tartu sind?

Bis jetzt bin ich auf den Gängen unseres Wohnheims (Raatuse 22) noch keinen Leuten mit Einkaufswagen begegnet. Wie? Was? Seht einfach selbst – das ist Shopping im Raatuse-Style (Januar 2007):

http://www.youtube.com/watch?v=BAUHaRF-ZR4

(Video lädt in neuem Fenster.)