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St. Petersburg bei Nacht

St. Petersburg bei Nacht

Hier nun wie versprochen der zweite Teil meines St. Petersburg-Artikels, den ich unter dem klangvollen Titel Das heiße Nachtleben von St. Petersburg – Weiber, Wodka, Walachei angekündigt hatte. Den ersten Teil findet ihr hier.

Wie bei Gruppenreisen üblich machen die Veranstalter vorab Vorschläge für das Abendprogramm. In unserem Fall war das die einmalige Gelegenheit („this happens to you once in a lifetime“) einen russischen Folklore-Abend zu besuchen. Der hohe Eintrittspreis von umgerechnet 25 Euro und der mutmaßlich noch höhere Touri-Faktor dieses Events schreckte uns jedoch ab. Es kam zu einer Spaltung der Gruppe: Während die einen sich für 4,50 Euro ein Ballett anschauten („war echt dillettantisch“), gingen andere in ein klassisches Konzert („war ziemlich gut“). Julia, eine Österreicherin, und ich entschieden uns für die dritte Variante und zogen mit unseren Kameras bewaffnet durch das abendliche St. Petersburg. Miriam, bloggende Niederländerin, schloß sich uns – ohne Kamera – an.

St. Petersburg bei Nacht 2

St. Petersburg ist bei Nacht ja ein ganz besonderes Spektakel. Die Leute gehen spät aus um zu essen oder zu feiern und so ist auch um 11 oder 12 Uhr noch richtig viel auf den Straßen los. Der Mittelpunkt unserer kleinen Fotoexkursion bildete der Nevskij-Prospekt, die größte Einkaufs- und Feiermeile der Stadt. Wenn man nach einem deutschen Vergleich sucht, würde man vielleicht den Kurfüstendamm in Berlin anführen, aber das trifft es nicht ganz. Der Prospekt erstreckt sich über mehrere Kilometer schnurgerade durch die Stadt und lud mit seinen vielen Lichtern zu tollen Langzeitbelichtungen ein. Für manche Fotos haben wir eine Belichtungszeit von zehn Sekunden gewählt, um das beste aus der Szenerie herauszuholen. Miriam hat sich glaube ich ziemlich gelangweilt, vor allem da wir wie für Fotografen üblich, von jedem Motiv fünf oder sechs Aufnahmen gemacht haben. Wir hatten sie aber vorgewarnt, dass wir unsere Zeit brauchen würden.

St. Petersburg bei Nacht 3

Abendessen waren wir dann in einem einfachen Restaurant in einer kleinen Seitenstraße. Die russischen Bedienungen verstanden wie üblich kein Englisch. Zum Glück lagen die Speisen in einer Buffetvitrine aus, so dass ich einfach auf Fleisch, Reis und gefüllte Paprika zeigen konnte. Es war auch echt lecker!

St. Petersburg bei Nacht 4

Später sind wir dann zum Treffpunkt zurückgegangen. Es war nur noch der Bus der anderen Gruppe da, der zum weiter entfernt liegenden Hotel fahren sollte. Ich bin dann also zu Fuß durch die nächtliche Stadt zurückgelaufen. Vorab hatten einige ja Horrorgeschichten erzählt, von wegen dass man in St. Petersburg gleich ausgeraubt wird, besser keine U-Bahn fahren sollte etc. Letzlich war es aber überhaupt kein Problem, habe mich nicht besonders unsicher gefühlt. Klar sollte man ein bisschen aufpassen, aber das muss man in jeder Großstadt. Keinem von der Reisegruppe ist im übrigen irgendwas gestohlen worden.

St. Petersburg bei Nacht 5

Fehlen eigentlich nur noch die versprochenen drei W’s:

Weiber: Gab es für einige meiner Mitbewohner (Namen der Redaktion bekannt) in der Tittenbar Golden Dolls auf dem Nevskij-Prospekt. Für 500 Rubel Eintritt gabs ihrer Aussage zufolge jede Menge nackte Haut und erotische Tanzeinlagen. Privatstrip oder das gemeinsame Duschen mit einer der Tänzerinnen kostete aber extra.

Wodka: Gabs für mich und ein paar andere in einer sehr gemütlichen Sushi-Bar in der Innenstadt. Wodka wurde in 50ml Shot-Gläsern á 2,10 Euro serviert, ich habe Russian Standard Premium und Russian Standard Standard probiert. Der Premium konnte mit ein wenig ausgefeilteren Geschmacksaromen überzeugen, ging ansonsten aber anspruchslos durch die Kehle. Der Abend war sehr unterhaltsam und wir kamen erst spät ins Hotel zurück.

Walachei: Liegt ja, wie eine Mitreisende schon richtig angemerkt hat, eigentlich in Rumänien. Zugleich bezeichnet man damit aber auch eine sehr abgelegene Region. In so eine war mein Zimmergenosse auf seiner ganz eigenen Exkursion zu einer deutschen Kneipe namens Bierkönig nämlich geraten. Kurz nach zwei Uhr nachts werden in St. Petersburg nämlich die Brücken über die Newa hochgeklappt, damit die Lastschiffe durchfahren können. Er war auf der anderen Seite gefangen und musste sich durch „nicht so tolle Stadtteile“ auf die Suche nach einem Taxi machen. Ist aber mit dem Schrecken davongekommen.

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Reise nach St. Petersburg

Peterhof bei St. Petersburg

St. Petersburg – das klingt nach Zarenreich, prunkvoller Altstadt und gutem russischen Vodka. Also genug Gründe der zweitgrößten Stadt Russlands einen Besuch abzustatten. Mit dem Bus wäre die Millionencity am finnischen Meerbusen von Tartu aus in vier Stunden zu erreichen – wenn da nicht die russische Grenze mit ihren besonders liebenswerten Grenzbeamten wäre. Auf der Hinfahrt haben wir in Narva etwa anderthalb Stunden gewartet. Wir haben unser ganzes Gepäck aus dem Bus ausgeladen, es per Hand über die Grenze getragen und auf der anderen Seite wieder eingeladen. Nicht dass da ein Beamter tatsächlich einen Blick in unsere Taschen geworfen hätte. Außerdem haben wir brav die Einreisezettel ausgefüllt, den Zöllnern unsere Visa gezeigt und dabei möglichst ernst geguckt. Man kann also sagen, dass wir uns ziemlich bemüht haben, besonders schnell nach St. Petersburg zu kommen. (Im Bild oben übrigens die russisch-orthodoxe Kathedrale beim Peterhof etwas außerhalb der Stadt.)

Katharinenpalast in St. Petersburg

Unser erster Halt war der Katharinenpalast in Puschkin (die Stadt, nicht der Vodka) noch vor dem eigentlichen St. Petersburg. Die ehemalige Zarenresidenz lockt mit blau-weiß-goldener Fassade und ausgedehnten Parkanlagen. Auf der Rückseite kamen wir nur bis zum vergoldeten Tor, später bekamen wir aber auch noch eine Führung durch das Innere des Palastes. Wie auf derlei Gruppenfahrten so üblich bleibt für die eigentliche Besichtigung kaum Zeit: Die Führer laufen schnell und reden noch schneller, das macht aber nichts, man kann sich die ganzen Daten und Zarennamen sowieso nicht merken. Gucken reicht zum Glück auch, schließlich sind wir hier auf einer Gruppenreise wo man sich nicht so sehr anstrengen muss. Der schmucke Ballsaal im Bild:

Katharinenpalast in St. Petersburg 2

Prunkvolle Goldverzierungen (Zitat Führerin: „In diesem Raum sind 7 Kilogramm an den Wänden“) finden sich übrigens nicht nur hier, sondern in fast allen Zimmern des Palastes und laden zu den ersten Fotos ein. Hierfür stehen als Adlige verkleidete Russen zur Verfügung, die für 100 Rubel gerne mit aufs Foto kommen. Ich habe das nicht so ganz verstanden, wieso soll ich denn dafür bezahlen dass da noch fremde Leute auf meinen Bildern mit drauf sind?

Rekonstruktion des Bernsteinzimmers

Das Highlight im Katharinenpalast ist eine originalgetreue Rekonstruktion des 1945 verschollenen Bernsteinzimmers. In diesem Raum darf nicht fotografiert werden (nicht mal für Geld, wie sonst in Russland üblich) woran ich mich auch gehalten habe: Das Bild habe ich nämlich einfach von außerhalb des Zimmers gemacht…hehe! Wie man trotz der trendigen Kameraführung erkennen kann, wurde auch hier wieder ganz viel Gold verarbeitet und natürlich Bernstein in allen möglichen Farbschattierungen.

Erasmus-Reisegruppe nach Russland

Nachdem alle in der Gruppe von jedem falschen Kerzenleuchter und jeder Goldverzierung mindestens drei Fotos gemacht hatten ging es zurück zum Bus. Hier zeigte sich ein weiteres Phänomen jeder guten Gruppenreise: Die Zuspätkommer (natürlich nicht im Bild, sonst wären es ja nicht die Zuspätkommer)!

Die ZSK zeichnen sich dadurch aus, dass sie während der ganzen Führung immer ganz hinten laufen, unbedingt noch ein Foto von sich und den anderen ZSK machen wollen und sich anschließend nicht zwischen zwei verschiedenen Postkarten im Souvenirshop entscheiden können. Sie gehen die Reise bewusst entspannt an und kommen deshalb immer mindestens zehn Minuten zu spät zum Bus. Nichts desto trotz sind die ZSK sehr höfliche Menschen: Sie rennen die letzten Meter zum Reisebus, stolpern unter keuchend hervorgestoßenen Entschuldigungen ins Innere und verkriechen sich mit gebückten Häuptern auf ihre Plätze. Die Reiseleiter sind natürlich längst an die Gattung der Zuspätkommer gewöhnt und versuchen sie mit zwei unterschiedlichen Taktiken zu mehr Pünktlichkeit zu bewegen:

1. Gruppendruck erzeugen – Reiseleiter: „Wenn hier immer alle zu spät kommen, schaffen wir den Zeitplan nicht. Dann können wir den/die [wichtige Sehenswürdigkeit einsetzen] leider nicht mehr besuchen. Die Tickets dafür haben wir allerdings schon alle vorab bezahlt…“
2. Panik bei den ZSK erzeugen: Hierzu arbeiten die Reiseleiter Hand in Hand mit dem Busfahrer. Dieser lässt den Bus schonmal anrollen oder fährt ihn im Extremfall ein paar Meter vom vereinbarten Treffpunkt weg. Denn Reiseleiter wissen: So trödelig die Zuspätkommer auch sind, am Ende wollen sie doch wie alle anderen im Bus mitfahren – ganz gemütlich und bequem.

Demnächst in Folge 2: Das heiße Nachtleben von St. Petersburg – Weiber, Wodka, Walachai. Und außerdem: Do sswidanja Portemonnaie – Wie gefährlich ist St. Petersburg wirklich?

Wireless Lan in Tartu

WiFi in Tartu - Schnurlos surfen im Internet

Die Esten sind ein ziemlich internetverrücktes Volk. Neben Prestige-Projekten wie dem staatlich garantierten Internetzugang für jeden Bürger oder der Möglichkeit zum Online-Wählen (machen viele junge Esten) gibt es aber zum Beispiel auch kostenloses W-Lan an jeder Ecke. Vor dem Rathaus, der Universität und in den zahlreichen Cafés der Altstadt von Tartu kann man mit dem Laptop kabellos surfen. Anders als in Deutschland würde auch niemand auf die Idee kommen dafür eine Gebühr zu erheben, die Gratiskonkurrenz wäre ohnehin viel zu groß. Und so sieht man tatsächlich viele Esten mit Notebook auf dem Schoß im Park oder auf dem Raekoja plats (Rathausplatz) sitzen. Ob da wirklich sinnvoll gearbeitet wird oder nur nebenbei irgendwelche Chats laufen, lässt sich nur vermuten. Gestern im Trehv-Pub saß aber jedenfalls ein Este mit zwei Freundinnen an der Bar und hat fleißig irgendwelche Videos geschnitten. Vielleicht entstand an diesem Abend gerade der nächste estnische Independent-Spielfilm, der in Venedig oder Cannés alle Preise abräumt – oder auf Youtube demnächst für Furore sorgt. Wer weiß?

Ausflug zum Peipussee

Varnja / Estland

Am letzten Wochenende haben wir zu dritt einen Ausflug zum Peipussee (estnisch: Peipsijärv) ganz im Osten von Estland gemacht. Mit dem Bus fährt man von Tartu etwa eine Stunde durch kleine Dörfer und eine jahreszeitlich eingefärbte Landschaft (in unserem Fall Herbst). Unser erstes Ziel war der kleine Ort Varnja, der mit putzigen alten Holzhäusern aufwarten kann – siehe Foto. Die Dörfer hier sind komplett am See entlanggebaut, man kann mehrere Kilometer laufen ohne aus einem der Orte hinauszukommen. Dennoch haben wir uns zu Fuß aufgemacht und sind von Varnja nach Kasepää und Kolkja gewandert.

Peipus-See 2

Hier konnte man dann auch endlich etwas vom Peipussee sehen, der liegt nämlich sonst meistens hinter Häusern und dichtem Schilfbewuchs versteckt. Das Wetter war nicht so groß nach Baden gehen, einen öffentlichen Strand haben wir auch nicht entdecken können. Die Region ist touristisch praktisch überhaupt nicht erschlossen: Es gibt keine Gaststätte, keinen Supermarkt (von einem Miniladen abgesehen) und natürlich auch keine Souvenirläden. Dafür umso mehr Russen – in Varna, Kasepää und Kolkja lebt nämlich ein großer Anteil an altgläubiger russischsprachiger Bevölkerung, die hier schon seit Jahrhunderten ihre Wurzeln haben. Auf der Straße wurden wir demnach auch nur auf Russisch begrüßt und fielen als einzige Touristen mit unseren Rucksäcken und Kameras ziemlich auf.

Estnische Zwiebeln

Die Bevölkerung lebt hier übrigens vom Zwiebelanbau, man munkelt die Peipsijärv-Zwiebelküche sei legendär: Als Vorspeise Zwiebelsuppe, dann Bratzwiebeln mit Zwiebelsauce und zum Nachtisch Zwiebelpudding. *g* Mangels geöffnetem Restaurant konnten wir diesen kulinarischen Verlockungen leider nicht nachgehen.

Die Haltestelle für die Rückfahrt haben wir nicht gleich gefunden und so blieb uns nichts anderes übrig als den Bus auf der einzigen Landstraße der Region auf offener Strecke mit Handzeichen anzuhalten. Hat aber gut funktioniert, warscheinlich auch weil der Busfahrer uns als Touristen nicht einfach so an der Straße stehen lassen wollte. Alles in allem ein schöner Ausflug an den viertgrößten See Europas, den Lake Peipsi:

Peipus-See
Wild gestoppelt wächst das Schilf am Peipussee.

Frühstück mit Kohupiim

Kohupiim

Was essen die Esten eigentlich zum Frühstück? Diese Frage führt einen im Supermarkt schnell zum Kühlregal wo Unmengen an unterschiedlichen Yoghurts, Quarks, Cremes, Puddings, Kefiren und anderen Milchprodukten auf hungrige Schleckermäuler warten. Ich wollte mal wieder was Neues ausprobieren und habe mich daher für Kohupiim (Piim ist estnisch für Milch), eine feste Quarkmasse in eckiger Verpackung entschieden. Habe der Sorte mit eingestreuten Rosinen den Vorzug vor der mit Vanille gegeben.

Kohupiim Makro

Zuhause stellte sich dann die Frage: Wie isst man so ein Kohupiim eigentlich? Spontan fielen mir nur die Möglichkeiten „pur löffeln“ und „aufs Brot schmieren“ ein. Also mal mit dem großen Löffel probieren: Hm, schmeckt wie Quark mit Rosinen, aber ziemlich ungesüßt. Außerdem hat das Ganze eine sehr fein-gekörnte Konsistenz, so als wäre da noch was anderes mit eingerührt. Blick auf die Packung hilft aber auch nicht weiter, alles auf Estnisch…

Vielleicht schmeckt estnischer Kohupiim auf dem Brot besser? Also eine Scheibe abgeschnitten und den Kohupiim dick draufgeschmiert. Sieht dann in etwa so aus:

Kohupiimbrot

Das richtig überwältigende Geschmackserlebnis will sich aber auch in dieser Form nicht einstellen. Der Quark ist einfach nicht süß genug. Also bei nächster Gelegenheit mal echte Esten fragen wie sie ihren Kohupiim so essen. Gestern dann Glück gehabt, eine Estin hat bei uns in der WG-Küche auf ihre Wäsche im Keller gewartet (hat Mitbewohner Holger angeschleppt, also sie – nicht die Wäsche), die habe ich dann gleich mal bezüglich Kohupiim ausgefragt. Mit meiner Idee den Quark aufs Brot zu schmieren erntete ich nur ein spöttisches Kopfschütteln, auf diese Idee würde wirklich kein Este jemals kommen. Die essen ihren Kohupiim vielmehr mit viel Marmelade, besonders Kirsch soll lecker sein. Na dann, guten Appetit! Oder wie die Esten sagen: Head isu!

Busfahren in Estland

Bus in Estland

Da kann das Wetter draußen noch so schön sein, wenn man aus diesem Fenster schaut ist alles trübe und grau! Busfahren in Estland ist ein modernes Abenteuer. Zum Einsatz kommen fast ausschließlich ältere Modelle aus den 70ern oder 80ern, deren Federung komplett durch ist. Dafür können die meisten mit zahlreichen Ausstattungsdetails glänzen. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf den Fernseher, den Ventilator für den Fahrer, die daneben hängende Schmuckuhr und die eleganten Gepäcknetze in diesem Bus:

Bus in Estland 2

In Verbindung mit den warmen Farbtönen und dem heimeligen Echtholz-Imitat im Innendesign ergibt sich eine durchaus gemütliche Atmosphäre. Streifenmuster wie dieses waren früher übrigens mal sehr beliebt:

70s Muster

Die Reisenden eines estnischen Busses lassen sich übrigens grob in drei Typen einteilen, die man auf garantiert jeder Fahrt über die Stadtgrenzen hinaus antrifft:

1. Der Alkoholiker: Sitzt die ganze Fahrt hinter einem – und das riecht man! Bei jedem Atemstoß entlädt sich eine Wolke aus billigem Schnapsdunst in den eigenen Nacken. Manchmal ist es auch Bier, spielt aber eigentlich keine große Rolle. Der Alkoholiker redet nicht viel, er sitzt vielmehr fast meditativ im Bus und kuriert seinen Rausch aus. Und er atmet natürlich…

2. Die stylische Tussi: Kommt immer gerade vom Einkaufen und hat deshalb mehrere vollbepackte Tüten dabei. Die stylische Tussi trägt Minirock oder kurze Hosen auch wenn es draußen nur etwas über 10 Grad ist. Deshalb bezirzt sie den Busfahrer, der dann ihr zuliebe die Heizung auf tropische Temperaturen hochdreht. Sie ist nun die einzige die passend angezogen ist. Während alle anderen schwitzen, steckt sie sich ihre Ohrstöpsel rein und hört die ganze Fahrt Musik oder tut so als würde sie schlafen.

3. Die russischen Handyprolls: Setzen sich immer ganz hinten in den Bus, machen aber dafür umso mehr Krach. Ähnlich wie die Handyprolls in deutschen Bussen und U-Bahnen haben sie hierfür ihr Mobiltelefon dabei. Auf diesem spielen sie wahlweise russischen Techno oder russischen Hiphop ab – beides ist in etwa gleich schlimm! Neben der Lautstärke stört aber vor allem die Tatsache, dass sich meist nur zehn Songs im Speicher befinden. Diese werden dann auf der ganzen Fahrt in Heavy-Rotation gespielt. Doch der typische Este ist zu höflich (oder zu ängstlich?) um die russischen Rabauken anzusprechen. Mit stiller Ignoranz überhört er den Dudelfunk aus den hinteren Reihen. Es bleibt die stille Hoffnung dass die RHP (Russische Handy Prolls) bereits an der nächsten Haltestelle irgendwo im Wald aussteigen.

Erasmus-Gourmet: Stäbchen mit Fisch

Stäbchen mit Fisch

Fischstäbchen sind günstig, lecker und schnell zubereitet – kein Wunder also dass sie häufig im studentischen Einkaufswagen landen. Ich habe mir gestern mal die vermutlich billigsten Fischstäbchen von ganz Estland geholt (250 g für 60 Cent). Oder sollte ich eher sagen Stäbchen mit Fisch? Laut Packungsangabe beträgt der Weißfischgehalt bei diesem Produkt der Marke ‚Marine‘ aus Polen nämlich exakt 41 Prozent. Verpackung und Aussehen lassen tatsächlich reinrassige Fischstäbchen vermuten, jedoch wurde ein gehöriger Anteil Fisch durch Weizenmehl, Reismehl, Sojaproteine und Weizenfasern (Herstellerangabe) ersetzt. Und das schmeckt man leider auch: Das Innere der Schnäppchenstäbchen ist eine einzige pürierte Masse, die sich zäh auf den Gaumen legt. Das Aroma ist bestenfalls „fish-inspired“ – auch mit Zitronensaft wird’s nicht viel besser. Das nächste Mal werde ich auf alle Fälle schon an der Kühltruhe auf den Fischgehalt achten – unter 100 Prozent geht da garnichts mehr…