Monatsarchiv: Januar 2008

Spaziergang am Lake Tartu

Lake Tartu

Tartu geizt nicht gerade mit schönen Wasserflächen: Neben dem Emajögi gibt es auch den weltbekannten Lake Tartu, zu sehen auf dem Foto. Keck ragen drei Findlinge aus der Wassermasse hervor, im Vordergrund sind noch die Schilfstummel vom letzten Sommer zu sehen. Lake Tartu, Findlinge, Schilfstummel? Hmm…na ok ich gebs zu! In echt fällt der „See“ etwas kleiner aus, als man es vom Bild vermuten würde. Nämlich genau so:

Lake Tartu 2

Es handelt sich beim Lake Tartu in Wahrheit nur um eine 1×2 Meter große Pfütze auf einem Feldweg nahe der Stadt. Die drei „Findlinge“ sind dann doch sehr handlich, die „Schilfstummel“ bestehen aus schnödem Gras. Beim ersten Foto war die Kamera fast auf der Höhe des matschigen Bodens, der gleiche Effekt wird übrigens auch angewandt um Hotelpools in Reiseprospekten größer erscheinen zu lassen. Also Augen auf, wenn euch jemand ein X für ein U…äh eine Pfütze für einen See vormacht!

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„What do you think about it?“

Der große Heiko-Report
Quelle: http://ec.ut.ee/transition/index.php?option=com_rsgallery2&Itemid=102&catid=17

Wenn man über Heiko Pääbo schreiben will, dann muss man mit seinem orange-farbenem Pullover anfangen. Er trägt ihn praktisch zu jeder Unterrichtsstunde. Vielleicht es aber auch eine ganze Kollektion identisch aussehender orangener Pullover, die er da zur Schau trägt. Am Kragen blitzt meist ein T-Shirt oder ein violettes Polohemd hervor, letzteres passt farblich natürlich nicht ganz zum orangenen Pullover, aber das ist erstens Geschmackssache und zweitens scheint es Heiko nicht zu stören.

Star-Dozent Heiko Pääbo unterrichtet am EuroCollege der Universität von Tartu, ist Leiter des Prometheus-Programms und „Key instructor“ des Political Transition-Kurses. Heiko setzt hierbei ganz auf moderne Lernmethoden. Keine Unterrichtsstunde ohne ausführliche Powerpoint-Präsentation mit bunten Hintergründen und vielen Fotos. Häufig bleiben die Inhalte etwas auf der Strecke und die Themen werden eher oberflächlich behandelt, aber das stört ihn nicht. Denn Heiko setzt stattdessen auf umfassende Diskussionen zu den Themen seines Kurses. Berühmt sind in Studentenkreisen seine weitläufigen Fragestellungen und seine Fähigkeit mit ständig wiederholten Nachfragen alle Kursteilnehmer aus der Reserve zu locken bzw. in den Wahnsinn zu treiben.

„What do you think about this?“, fragt er dann und wenn keiner sich meldet setzt er ein fragendes „Do you have any opinion about it?“ hinterher. Selbst wenn sich nun niemand zu Wort meldet, gibt Heiko als echter Diskussionsprofi nicht auf: „What do you think about it? How is it in your home country?“, fragt er. Irgendwann wird jemand schwach und antwortet irgendetwas. Heiko freut sich über diese Beteiligung, es ist dabei ziemlich egal was gesagt wurde. Das macht nichts, denn die Diskussionsfragen sind äh nunja, auch eine Klasse für sich. Ein paar Beispiele gefällig? Ok, hier nun von mir handausgeschnitten und gesammelt die TOP 3 von Heikos Diskussionsfragen:

Communism - A criminal ideology?

1. Is Communism a criminal ideology? Tja, das haben wir uns doch immer schon mal gefragt: Ist Kommunismus nicht eigentlich total kriminell und sollte verboten werden? Gut dass Heiko diese Spitzenfrage nochmal aufgeworfen hat. Antwort ist übrigens Nein, weil was können Marx und Engels schon dafür, dass z.B. Stalin unter Auslegung ihrer Ideologie (da waren sie ja auch schon tot) Millionen von Menschen enteignet, umgesiedelt und unliebsame Kritiker umbringen hat lassen.

Keywords of Revolution

2. What are the keywords for describing revolution? Ja, ist schon so eine Sache mit dieser Revolution. Also erstmal Stichpunkte äh Keywords sammeln. Da darf dann jeder mal sagen, was ihm zum Thema einfällt. Ergebnis in unserer Klasse: „change“, „violence“, „peaceful movement“ – Na das kann sich doch sehen lassen, oder?

Heikos Folien

3. How is the ‚CEE‘ involved into the political discourse today? (Examples from your country) Wie wird in der politischen Diskussion in unserem Heimatland über Zentral- und Osteuropa gesprochen? Für Deutschland lässt sich die Frage schonmal nicht so einfach beantworten. „Worauf zielt dass denn jetzt genau ab?“, möchte man nachfragen. Letztlich aber wieder ein schönes Beispiel für eine Frage, auf die man alles antworten kann und bei Heiko vor allem auch darf.

Die Fragen wurden so übrigens im Wintersemester 2007 im Political Transition-Kurs gestellt, aber es ist natürlich nur ein kleiner Teil von einem viel breiteren Repertoire an Spitzenfragen. Für die Beteiligung wird man übrigens nach einem ausgefuchsten Punktesystem bewertet. Heiko kontrolliert und protokolliert nämlich auch gerne die Leistung seiner Studenten. Als Hilfsmittel dient ihm hierbei das Moodle-Onlinesystem in dem sich jeder anmelden muss, um beispielsweise Texte und andere Materialien herunterzuladen und Bewertungsergebnisse abzurufen. Nebenbei werden auch ungefragt Statistiken und Klickprotokolle von jedem Studenten angelegt. Den Text für diese Woche nicht runtergeladen und gelesen – Der Dozent sieht es sofort. Hier mal ein Beispiel für eine solche Datensammlung:

Datenflut im Moodle-System

Der Dozent kann sich über jeden Klick, jeden Seitenabruf, jede Aktivität in Listenansicht oder als Diagramm informieren. Ein universitäres Überwachungsinstrument, dass hier scheinbar sehr unkritisch eingesetzt wird. „Big brother is watching you!“ Der große Bruder schaut zu – und eventuell, nur ganz vielleicht, trägt er dabei einen orange-farbenen Pullover und lacht sich verschmitzt ins Fäustchen. Nur ganz vielleicht.

So jetzt will ichs aber wissen: What do you think about it? You have any opinion? Keine? Macht auch nichts.