Reise nach St. Petersburg

Peterhof bei St. Petersburg

St. Petersburg – das klingt nach Zarenreich, prunkvoller Altstadt und gutem russischen Vodka. Also genug Gründe der zweitgrößten Stadt Russlands einen Besuch abzustatten. Mit dem Bus wäre die Millionencity am finnischen Meerbusen von Tartu aus in vier Stunden zu erreichen – wenn da nicht die russische Grenze mit ihren besonders liebenswerten Grenzbeamten wäre. Auf der Hinfahrt haben wir in Narva etwa anderthalb Stunden gewartet. Wir haben unser ganzes Gepäck aus dem Bus ausgeladen, es per Hand über die Grenze getragen und auf der anderen Seite wieder eingeladen. Nicht dass da ein Beamter tatsächlich einen Blick in unsere Taschen geworfen hätte. Außerdem haben wir brav die Einreisezettel ausgefüllt, den Zöllnern unsere Visa gezeigt und dabei möglichst ernst geguckt. Man kann also sagen, dass wir uns ziemlich bemüht haben, besonders schnell nach St. Petersburg zu kommen. (Im Bild oben übrigens die russisch-orthodoxe Kathedrale beim Peterhof etwas außerhalb der Stadt.)

Katharinenpalast in St. Petersburg

Unser erster Halt war der Katharinenpalast in Puschkin (die Stadt, nicht der Vodka) noch vor dem eigentlichen St. Petersburg. Die ehemalige Zarenresidenz lockt mit blau-weiß-goldener Fassade und ausgedehnten Parkanlagen. Auf der Rückseite kamen wir nur bis zum vergoldeten Tor, später bekamen wir aber auch noch eine Führung durch das Innere des Palastes. Wie auf derlei Gruppenfahrten so üblich bleibt für die eigentliche Besichtigung kaum Zeit: Die Führer laufen schnell und reden noch schneller, das macht aber nichts, man kann sich die ganzen Daten und Zarennamen sowieso nicht merken. Gucken reicht zum Glück auch, schließlich sind wir hier auf einer Gruppenreise wo man sich nicht so sehr anstrengen muss. Der schmucke Ballsaal im Bild:

Katharinenpalast in St. Petersburg 2

Prunkvolle Goldverzierungen (Zitat Führerin: „In diesem Raum sind 7 Kilogramm an den Wänden“) finden sich übrigens nicht nur hier, sondern in fast allen Zimmern des Palastes und laden zu den ersten Fotos ein. Hierfür stehen als Adlige verkleidete Russen zur Verfügung, die für 100 Rubel gerne mit aufs Foto kommen. Ich habe das nicht so ganz verstanden, wieso soll ich denn dafür bezahlen dass da noch fremde Leute auf meinen Bildern mit drauf sind?

Rekonstruktion des Bernsteinzimmers

Das Highlight im Katharinenpalast ist eine originalgetreue Rekonstruktion des 1945 verschollenen Bernsteinzimmers. In diesem Raum darf nicht fotografiert werden (nicht mal für Geld, wie sonst in Russland üblich) woran ich mich auch gehalten habe: Das Bild habe ich nämlich einfach von außerhalb des Zimmers gemacht…hehe! Wie man trotz der trendigen Kameraführung erkennen kann, wurde auch hier wieder ganz viel Gold verarbeitet und natürlich Bernstein in allen möglichen Farbschattierungen.

Erasmus-Reisegruppe nach Russland

Nachdem alle in der Gruppe von jedem falschen Kerzenleuchter und jeder Goldverzierung mindestens drei Fotos gemacht hatten ging es zurück zum Bus. Hier zeigte sich ein weiteres Phänomen jeder guten Gruppenreise: Die Zuspätkommer (natürlich nicht im Bild, sonst wären es ja nicht die Zuspätkommer)!

Die ZSK zeichnen sich dadurch aus, dass sie während der ganzen Führung immer ganz hinten laufen, unbedingt noch ein Foto von sich und den anderen ZSK machen wollen und sich anschließend nicht zwischen zwei verschiedenen Postkarten im Souvenirshop entscheiden können. Sie gehen die Reise bewusst entspannt an und kommen deshalb immer mindestens zehn Minuten zu spät zum Bus. Nichts desto trotz sind die ZSK sehr höfliche Menschen: Sie rennen die letzten Meter zum Reisebus, stolpern unter keuchend hervorgestoßenen Entschuldigungen ins Innere und verkriechen sich mit gebückten Häuptern auf ihre Plätze. Die Reiseleiter sind natürlich längst an die Gattung der Zuspätkommer gewöhnt und versuchen sie mit zwei unterschiedlichen Taktiken zu mehr Pünktlichkeit zu bewegen:

1. Gruppendruck erzeugen – Reiseleiter: „Wenn hier immer alle zu spät kommen, schaffen wir den Zeitplan nicht. Dann können wir den/die [wichtige Sehenswürdigkeit einsetzen] leider nicht mehr besuchen. Die Tickets dafür haben wir allerdings schon alle vorab bezahlt…“
2. Panik bei den ZSK erzeugen: Hierzu arbeiten die Reiseleiter Hand in Hand mit dem Busfahrer. Dieser lässt den Bus schonmal anrollen oder fährt ihn im Extremfall ein paar Meter vom vereinbarten Treffpunkt weg. Denn Reiseleiter wissen: So trödelig die Zuspätkommer auch sind, am Ende wollen sie doch wie alle anderen im Bus mitfahren – ganz gemütlich und bequem.

Demnächst in Folge 2: Das heiße Nachtleben von St. Petersburg – Weiber, Wodka, Walachai. Und außerdem: Do sswidanja Portemonnaie – Wie gefährlich ist St. Petersburg wirklich?

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Eine Antwort zu “Reise nach St. Petersburg

  1. Pingback: St. Petersburg bei Nacht « Erasmus in Tartu WS 2007/08

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