Busfahren in Estland

Bus in Estland

Da kann das Wetter draußen noch so schön sein, wenn man aus diesem Fenster schaut ist alles trübe und grau! Busfahren in Estland ist ein modernes Abenteuer. Zum Einsatz kommen fast ausschließlich ältere Modelle aus den 70ern oder 80ern, deren Federung komplett durch ist. Dafür können die meisten mit zahlreichen Ausstattungsdetails glänzen. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf den Fernseher, den Ventilator für den Fahrer, die daneben hängende Schmuckuhr und die eleganten Gepäcknetze in diesem Bus:

Bus in Estland 2

In Verbindung mit den warmen Farbtönen und dem heimeligen Echtholz-Imitat im Innendesign ergibt sich eine durchaus gemütliche Atmosphäre. Streifenmuster wie dieses waren früher übrigens mal sehr beliebt:

70s Muster

Die Reisenden eines estnischen Busses lassen sich übrigens grob in drei Typen einteilen, die man auf garantiert jeder Fahrt über die Stadtgrenzen hinaus antrifft:

1. Der Alkoholiker: Sitzt die ganze Fahrt hinter einem – und das riecht man! Bei jedem Atemstoß entlädt sich eine Wolke aus billigem Schnapsdunst in den eigenen Nacken. Manchmal ist es auch Bier, spielt aber eigentlich keine große Rolle. Der Alkoholiker redet nicht viel, er sitzt vielmehr fast meditativ im Bus und kuriert seinen Rausch aus. Und er atmet natürlich…

2. Die stylische Tussi: Kommt immer gerade vom Einkaufen und hat deshalb mehrere vollbepackte Tüten dabei. Die stylische Tussi trägt Minirock oder kurze Hosen auch wenn es draußen nur etwas über 10 Grad ist. Deshalb bezirzt sie den Busfahrer, der dann ihr zuliebe die Heizung auf tropische Temperaturen hochdreht. Sie ist nun die einzige die passend angezogen ist. Während alle anderen schwitzen, steckt sie sich ihre Ohrstöpsel rein und hört die ganze Fahrt Musik oder tut so als würde sie schlafen.

3. Die russischen Handyprolls: Setzen sich immer ganz hinten in den Bus, machen aber dafür umso mehr Krach. Ähnlich wie die Handyprolls in deutschen Bussen und U-Bahnen haben sie hierfür ihr Mobiltelefon dabei. Auf diesem spielen sie wahlweise russischen Techno oder russischen Hiphop ab – beides ist in etwa gleich schlimm! Neben der Lautstärke stört aber vor allem die Tatsache, dass sich meist nur zehn Songs im Speicher befinden. Diese werden dann auf der ganzen Fahrt in Heavy-Rotation gespielt. Doch der typische Este ist zu höflich (oder zu ängstlich?) um die russischen Rabauken anzusprechen. Mit stiller Ignoranz überhört er den Dudelfunk aus den hinteren Reihen. Es bleibt die stille Hoffnung dass die RHP (Russische Handy Prolls) bereits an der nächsten Haltestelle irgendwo im Wald aussteigen.

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Eine Antwort zu “Busfahren in Estland

  1. … sehr schön, ich hab den beitrag auf arbeit gelesen und mußte zwischendurch wegschalten, weil ich mich nicht mehr halten konnte vor lachen – die nachbarn haben schon geguckt 😀

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