Erasmus-Gourmet: Wir machen uns Elchburger

Mitbewohner mit Elchfleisch

„Heute gibt’s Elchburger!“ – Mitbewohner Nick hat beim Shoppen im Supermarkt wieder etwas Neues entdeckt: Elchfleisch aus der Dose (etwa 1,80 Euro) zum selber anbraten. Der Blick ins estnische Wörterbuch beweist, dass hier wirklich ein echter Elch in mundgerechte Stücke verarbeitet wurde. Holger und Christian wollen trotzdem nicht mitessen. Ein Blick in die geöffnete Packung verstärkt ihre Bedenken noch.

Elchfleisch - Mhm, lecker

„Wollt ihr dieses Hundefutter wirklich essen?“, fragt Christian uns, als er den geschnetzelten Elch erblickt. „Und schaut erstmal wie das riecht“, rümpft er die Nase. Doch wir sind spätestens jetzt schon wild entschlossen uns wirklich einen Elchburger zu braten. Ein bisschen kommen wir uns ja wie Gladiatoren vor, werden uns doch schon gesundheitliche Probleme („Wenns euch morgen dreckig geht, wisst ihr woran’s liegt“) nach dem Verzehr prognostiziert.

Elchbulette

Weiter im Rezept: Das Elchfleisch nimmt in der Pfanne langsam die Konsistenz einer Bulette (Berlinerisch für Frikadelle oder Fleischpflanzerl) an. Ein erster Geschmackstest ergibt: Hier sind karamelisierende Zucker am Werk, schmeckt aber nicht süß.

Estnische Elchburger

Mit Wirsing, Gurke, Brötchen, Senf und Ketchup verwandeln sich die beiden Elchhackscheiben in zwei waschechte Burger. Von den anderen Mitbewohnern kommen verstohlen neidische Blicke, doch die beiden lassen sich nichts anmerken. „Macht mal die Tür zu, es stinkt ziemlich“, sagt Christian, doch wir sind uns ziemlich sicher dass er nur nicht die nun folgenden Mhm- und Schmatzgeräusche die der Verzehr eines solchen köstlichen Elchburgers nunmal nach sich zieht, hören will. Im übrigen schmeckt Elchfleisch nicht so sehr verschieden von normalem Schweinefleisch. Einzig die durchgängig rote Farbe der Frikadelle irritiert etwas.

Terviseks - Prost in Estland

Nick hat von einem Brauch gehört dass man Elchburger immer mit einem guten Schluck Vodka begießt. Diese Sitte kannte ich ehrlich gesagt noch garnicht, aber wird schon stimmen. Mit Viru Valge und einem fröhlichen „Terviseks“ (estnisch: Prost; eigentlich „guter Sex“ oder „gute Gesundheit“) wird das Abendessen beschlossen. Über den anhaltenden Elchgeruch in unserer Küche sehen wir gelassen hinweg. Ein echter Elchburger fordert eben manchmal Opfer.

(Zitate frei nach Erinnerung)
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3 Antworten zu “Erasmus-Gourmet: Wir machen uns Elchburger

  1. Hey – du musst auch deine Leser über einen wichtigen Punkt informieren: wie schmeckt denn jetzt Elch-Fleisch?

  2. Danke für den Hinweis, hab das noch ergänzt. Es schmeckt wirklich nicht so sehr verschieden von normalen Buletten/Frikadellen mit Schweinefleisch oder Rindfleisch. Gerade in Kombination mit der Gewürzgurke ergeben sich jedoch interessante Geschmacksnuancen, ist also vielleicht durchaus mal einen Test wert wenn du Elchfleisch in der Nähe hast ;-). Viele Grüße, Lukas

  3. Gelungener Post. Im Baltikum wird nicht groß Halali gemacht, wie bei uns zu Hause, wenn ein Hirsch erlegt wurde. Ich bin mir auch nicht sicher ob Valge Viin (Vodka) schon vorher fließt. Aber in der Dose landen sie sowieso. 😉

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