Jäger und Sammler

Jäger und Sammler

Auf der Rückseite des Raatuse-Wohnheims befindet sich ein großer Abfallcontainer, in welchen alle Studenten ihren Müll entsorgen. Darunter befinden sich auch viele Pfandflaschen, denn die kann man hier in Estland nicht einfach in dem Supermarkt zurückgeben, wo man sie gekauft hat. Man muß stattdessen zum Beispiel zum weiter entfernten Konsum-Markt gehen, wo es einen Rückgabeautomaten gibt. Viele scheuen die Mühe, wegen ein paar Kronen so weit zu laufen – die Flaschen landen im Müll. Kein Wunder also, dass sich der Abfallcontainer zum beliebten Treffpunkt der örtlichen Penner entwickelt hat. Es vergeht keine Viertelstunde in der nicht mindestens ein Obdachloser den Müll nach Pfandflaschen und anderen brauchbaren Dingen durchstöbert.

Teilweise spielen sich hier recht dramatische Szenen ab: Penner 2 mit grünem Pullover (links im Bild) ist zu spät gekommen. Sein Kollege im schwarzen Anorak mit Basecap war schneller. In seiner linken Hand trägt er zwei Tüten mit wertvollem Pfandgut. Vergeblich versucht Penner 1 zu verhandeln, bietet etwas aus seinem fahrbaren Rollwägelchen zum Tausch an. Abgetragene Kleidung? Ein kaputtes Elektrogerät? Es ist schwer zu erkennen. Schon nach kurzem sind die beiden Obdachlosen in eine Unterhaltung vertieft. Langsam gehen sie über den Raatuse-Parkplatz, der untergehenden Sonne entgegen. An der Schranke begegnet ihnen ein Mercedes Benz, schüchtern gehen die beiden einen Schritt zur Seite – der Wagen fährt durch.

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